ONE OF US IS LYING von Karen M. McManus – TACHELES

Disclaimer:

Diese Rezension enthält SPOILER! Falls du auf der Suche nach einer spoilerfreien Rezension zu diesem Buch bist, schau gerne auf Instagram @ipukewords vorbei. In meinem Storyhighlight „Reviews“ findest du eine Version ohne Spoiler. 

 Inhalt:

Eine Highschool, ein Toter, vier Verdächtige…

An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt. Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simon wollte am Folgetag einen Skandalpost absetzen. Im Schlaglicht: Bronwyn, Addy, Nate und Cooper. Jeder der vier hat etwas zu verbergen – und damit ein Motiv… 

Leseerlebnis:

Ich hab dieses Buch wirklich gern gelesen und fand die Geschichte spannend. Nicht gruselig, nicht haarsträubend, aber spannend. Ich kam gut durch das Buch durch, musste ab und zu lachen und hab eine Verbindung zu den einzelnen Charakteren aufgebaut. Zeitweise hat es sich ein bisschen angefühlt, als würde ich eine Netflix Serie lesen – ich kann mir eine Verfilmung btw sehr gut vorstellen!

Das Einzige, was ich noch nicht so ganz einordnen kann, war der Spielort. Ich konnte mir nie richtig vorstellen, wo das Buch spielen soll. Wie war die Gegend, was für ein Klima herrschte dort, welcher Kultur soll ich das zuordnen? Cooper kam aus dem Süden, Bronwyn hatte lateinamerikanische Einflüsse… alles war irgendwie zusammengewürfelt und ließ mich ein wenig unschlüssig zurück. Ich mag es an sich sehr gerne, mich nicht nur in die einzelnen Personen, sondern auch den Spielort hinein zu versetzen. Dies ist mir hier leider nicht gelungen. 

Inhaltliche Bewertung:

Plot 

Direkt in den ersten 50 Seiten geht es hier so richtig los. Am Anfang dachte ich, das ist alles ein wenig hopplahopp. Im Nachhinein ergab der schnelle Einstieg dann jedoch Sinn. Ich denke, hätte man als Leser die vier bzw. fünf Protagonisten schon im Vorfeld besser kennengelernt, wäre der Spannungsaufbau deutlich schwieriger gewesen, weil man so besser hätte ausschließen können, wer als Täter nicht in Frage kommt. 

Zum Thema Täter hatte ich im Laufe des Buches verschiedene Theorien. Wenn ich mich richtig erinnere, war meine erste Vermutung: der Aufsichtslehrer Mr. Avery. Fragt mich nicht warum, aber von allem was in den ersten 50 Seiten bekannt war, kam er für mich am ehesten in Frage. Meine zweite ernsthafte Vermutung war Maeve, die ich hier sehr gut als Nebencharakter in den Plot integriert fand. Ganz im Gegensatz zu Addys Freund Jake – den ich übrigens auch irgendwann verdächtigt habe. 

Ja, man merkt es, ich hab so ungefähr jeden irgendwann mal verdächtigt. Für mich persönlich spricht das für den Plot, weil die Autorin hier wirklich alle Optionen einmal angedeutet hat, ohne die Hinweise zu sehr in eine Richtung zu lenken. 

Als Addy ihrem (Ex-)Freund dann auf die Spur kam, wurde mir alles eine Nummer zu drüber. Diese Prügelszene hat für mich wenig Sinn ergeben, weil es einfach eine 180 Grad Wendung zu dem war, wie man Jake bisher kennengelernt hat. Ich hätte mir eher vorstellen können, dass er Addy und Janae irgendwo einsperrt oder sowas, aber das was er da mit Addy gemacht hat, war ja schon fast ein Mordversuch. 

Die Auflösung, also quasi Simons Plan, war gut durchdacht. Aber nichts absolut Überraschendes, sondern tatsächlich auch eine meiner Vermutungen. Natürlich nicht mit exakt dieser Erklärung, aber ich habe es nie ausgeschlossen, dass nicht auch Simon selbst seinen Tod herbeigeführt hat.

Enttäuscht war ich erst, als die Autorin wahrscheinlich versucht hat, in die Realitätskiste zu greifen und nach der Auflösung Nate das hat tun lassen, was er im echten Leben wahrscheinlich auch gemacht hätte: He fucked up. Ich fand die Beziehung zwischen Nate und Brownwyn so schön, dass ich sie fast schon als mein Highlight des ganzen Buchs bezeichnen würde. Sie war echt, sie war glaubhaft und sie hätte meinetwegen auch (unrealisitscherweise) einfach bestehen bleiben dürfen. Auch der Epilog, in dem Nate ja doch wieder einen Annäherungsversuch wagt, hat diese Enttäuschung für mich nicht mehr gerade gerückt. 

Die Protagonisten

Addy

Addy hat für mich eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, die in der Kürze der Zeit aber nicht unrealistisch wirkte. Durch die Trennung von Jake wurde die Beziehung zu ihrer Schwester gestärkt, was ihr im Endeffekt gut getan hat. Das Ganze durch ihre optische Veränderung zu untermalen war okay, aber irgendwie auch nebensächlich. Ihr Seitensprung mit TJ lässt sich zwar durch ihre Katastrophe von Freund Jake erklären, aber für mich ist sowas im Grunde nicht zu rechtfertigen. Aus meiner Sicht wurde sie hier nicht genug zur Reflexion angehalten, weil sie sich lediglich gegenüber Jake und am Schluss gegenüber Simon schlecht gefühlt hat, das Fremdgehen an sich aber nie wirklich thematisiert wurde. 

Bronwyn

Was soll ich sagen? Ich liebe Bronwyn. Sie war mir auf Anhieb sympathisch und die Parts aus ihrer Sicht habe ich am liebsten gelesen. Sie war für mich die Figur, die am ehesten dem Alter entsprach, dass die Charaktere haben sollten und besaß deshalb für mich die größte Authentizität. Allerdings ist ihr das Ende des Buchs absolut nicht gerecht geworden. Nicht nur das mit Nate, auch dass sie dann diesen anderen Typen dated, von dem sie selbst sagt, dass sie eigentlich nicht auf ihn steht – das war mir too much out of character. 

Cooper

Für mich der Charakter, der mir am wenigsten in Erinnerung geblieben ist. Auch hier wurde eine Erklärung/Rechtfertigung für sein Fremdgehen gefunden, was ich einfach schade finde. Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, waren die Parts in denen Cooper mit Akzent spricht mit das Beste an ihm, das mochte ich sehr gerne. Im Endeffekt muss ich aber sagen, dass Cooper für mich keine bedeutende Rolle gespielt hat. Er war für mich am passivsten und deshalb auch lange mein „Hauptverdächtiger“ unter den Protagonisten. 

Nate

Nates Geschichte hat sehr viel Raum in diesem Buch bekommen. Der Einblick in sein Leben war so detailliert, dass es mir teilweise so vorkam, als sei er der einzige Protagonist des Buches. Da ich ihn jedoch mochte, hat mich das nicht besonders gestört. Ich konnte Nates Handlungen immer gut nachvollziehen und hab regelrecht mit ihm gelitten, je mehr man über den Zustand bei ihm zuhause erfahren hat. Für mich hat er das Bad Boy Image sehr gut verkörpert, ohne dabei jemals seinen Charme zu verlieren. Besonders dankbar bin ich dafür, dass er Bronwyn gegenüber immer respektvoll geblieben ist. Da hätte sich die Autorin auch deutlich mehr Klischees bedienen können, die in anderen NA Büchern zu Haufe zu finden sind. 

Dass er Bronwyn nach seiner Entlassung abgewiesen hat passt mir zwar nicht, aber ich kann es nachvollziehen. Vielleicht hätte es mich auch gestört, wenn er mit seiner Hintergrundgeschichte so eine große Wendung hingelegt hätte und plötzlich alles gut wäre in seinem Leben – das ist ja auch ziemlich unrealistisch. Vielleicht hätte es nicht so endgültig sein müssen? Vielleicht hätte er doch nachgeben können, da Bronwyn ja eigentlich auch als ein wenig sturköpfig dargestellt wurde und ihn sicher irgendwann überzeugt hätte. Aber, lassen wir Nate Nate sein. 

Simon

Simon war da und dann auch schon wieder weg. Wirklich viel mehr Eindruck konnte ich von ihm nicht sammeln. Was etwas schade ist, wenn man seine Relevanz betrachtet, die nach der Auflösung noch deutlich wurde. Dass es sich um Selbstmord handelt war für mich die glaubwürdigste Lösung – niemand schien Simon gut genug zu kennen, um all diese kleinen Dinge zu wissen, die für den Mord notwenig waren (Lebensgefährliche Allergie, Pen, er trinkt ständig aus seiner Flasche…). Aus seiner Darstellung schließe ich, dass Simon zart besaitet war. Die Gründe, die von der Autorin für seinen sozialen Ausschluss genannt wurden, waren relativ schwach für mich als Außenstehende. Was sein Leiden natürlich keinesfalls verringert oder gar heißen soll, dass es ihm nicht wirklich schlecht ging. Aber ich konnte einfach keine tiefere Verbindung zu ihm als Charakter aufbauen, weil er aktiv nur sehr wenig an der Handlung des Buches teilgenommen hat. 

Weitere Gedanken

Lange habe ich überlegt, was dieses Buch mir sagen will. Soll es einfach spannend sein? Soll es mir zeigen, welch große Diversität an amerikanischen Highschools herrscht (Latina, Krimineller, Homosexueller, unterdrücktes Mädel von nebenan, Einzelgänger)? Geht es um vorschnelle Verurteilung oder die Macht der Anonymität des Internets (Tumblr Beiträge und Gerüchte auf Simons Seite)? 

Neben all diesen kleinen Messages, die dieses Buch beinhaltet, bin ich mir relativ sicher, dass der Selbstmord ein zentrales Thema sein sollte. Dafür kam er allerdings ein wenig zu kurz und wurde lediglich erklärt, als Janae Addy die Wahrheit sagt. Hier wird deutlich, dass Simon kein gehässiger, schamloser Geek war, sondern ein verletzter und frustrierter Junge, der Schwierigkeiten hatte Anschluss zu finden. Anschluss an soziale Gruppen, Freunde von früher (Jake z.B.), soziale Verhaltensweisen und das Leben an sich. Dadurch ist er in Gedanken gerutscht, die sehr gefährlich sind. Darauf weisen seine Aktivitäten in den Foren hin, die sich mit Amokläufen beschäftigen. Das kam für mich viel zu kurz, weil es eine sehr relevante Aussage ist: Frustration zeigt sich auf unterschiedliche Weise und eine Person ist immer mehr als ihre Taten. Simon wurde auf seine App reduziert. Niemand hat ihm mehr zugesprochen, als einfach nur aus Jux und Tollerei seine Mitschüler zu bashen. Sie sind davon ausgegangen, dass er sie hasst, aber es war ihnen völlig egal warum. Simons Vorhaben hätte sehr viel schlimmer enden können. Es ist seltsam, aber man kann fast von Glück sprechen, dass er das Leben der vier Protagonisten nur „ruinieren“ und nicht beenden wollte. 

Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir zu sehr mit den Thematiken Selbstmord und Amoklauf gespielt wurde, oder ob es einfach zielgruppengerecht umgesetzt wurde, ohne groß zu dramatisieren. Was denkst du darüber? Welche Message steht für dich im Zentrum des Buches und bist du mit der Umsetzung zufrieden? 

Abschließende Bewertung:

Aufgrund der Gedanken, die mir nach dem Lesen noch durch den Kopf gehen, kann ich dem Buch keine 5 Sterne geben. Trotz allem würde ich das Buch aber auf jeden Fall empfehlen und finde es ist optimal auf die Zielgruppe Young Adult zugeschnitten. 

Ich gebe One Of Us Is Lying 4 Sterne.

So, jetzt seid ihr dran – lasst mich wissen, wie ihr das Buch fandet und welche Gedanken euch zum Buch oder auch beim Lesen meiner Rezension gekommen sind. =) 


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